20 février 1992
Kronenzeitung, Wien
Karlheinz Roschitz
Helnwein schockt mit Blutbad
TANZ 92 im Ronacher: Start mit Kresniks "Macbeth". Sie lieben Schauder, Alpträume, Schocks. Wen wundert's, dass beide bei Shakespeares "Macbeth" zu einem wahren Höhenflug blutiger Phantasie abheben: Österreichs Schockmaler Gottfried Helnwein und der Kärntner Johann Kresnik, Bremens Tanztheaterchef und international bejubelter Choreograf, zeigten nun im Ronacher ihren Bremer "Macbeth". Ein Erfolg für "TANZ 92" - Organisator Gerhard Brunner.
Seit 1974 schockt Kresnik Wiens Publikum im Theater an der Wien mit politischem Tanztheater: mit "Schwanensee AG", "Nibelungen", "Masada", dem Wolfgang Bauer- Ballett "Magnet". Sein Anliegen ist das gleiche geblieben. Nun zeigt er Macbeths feige Machtgier, Entmenschlichung und bestialische Gewalt. Ein Potentat im Macht-, Blut- und Todesrausch. Tanztheater - messerscharf, handgreiflich, brutal.
Und die Bremer Tänzer, so der aalglatte Joachim Siska (Macbeth), die ausgemergelte, irre "Lady" von Susana Ibanez' oder der romantische Held "Banquo" von Christian Camus, treffen Kresniks Stil beklemmend genau, Tänzer sind Täter und Opfer zugleich.
Beklemmung geht aber auch von Kurt Schwertsiks stereotypen Klaviermusikmustern und von Helnweins Bühne und gestylten Kostümen aus. Zwischen dem weissen Klinikraum auf der Bühne und dem Zuschauerraum ein Becken, in das das Blut der Ermordeten gepumpt wird. In Badewannen vegetieren die politischen Akteure. Dröhnend krachen riesige Bronzetüren ins Schloss. Ein Zerimonienmeister in schwarz, mit schwarzem Gesicht, leert Blutkübel aus und schafft Leichenreste fort. Hexen agieren als blutige Hostessen für Todesflüge. Tanz als Blutbad. Schockierend, hässlich, aber perfekt gestylt. Das Publikum feierte Kresnik und sein Ensemble.
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