18 octobre 2011
Frankfurter Rundschau
Kultur
Als Louis Armstrong die Füße hochlegte
Die Foto-Ausstellung „Fame“ in der Frankfurter DZ Bank zeigt Bilder von berühmten Persönlichkeiten.
Nur ein winziger Lichtpunkt funkelte in Michael Jacksons rechtem Auge, als Gottfried Helnwein ihn 1988 in Köln aufnahm, das linke ist ebenfalls völlig verschattet. Es mag auch das Wissen darum sein, wie dieses Leben ausging: Aber Jackson, der King of Pop, der Superberühmte, sieht müde und mehr als nur ein bisschen traurig aus. Allerdings gucken auch gänzlich Unberühmte oft unfroh.
Michael Jackson
silver print, 1988, 66 cm x 99 cm / 25'' x 38''
Über das Model Michael Bergin kann man bei Wikipedia lesen, dass er von Carolyn Bessette-Kennedy quasi verfolgt wurde und einmal wegen Trunkenheit am Steuer auffiel. Aber dort, wo jetzt eine Fotografie von ihm hängt, auf der er äußerst lässig einen Arm um eine junge Frau gelegt hat, dort ist man diskret: „Fame“ heißt eine Fotoausstellung im ArtFoyer der Frankfurter DZ Bank, doch die Ausstellungsmacher haben außer den Fotografen-Namen nichts an die Wände geschrieben.
Es muss genügen, dass die Abgebildeten schon irgendwie unter den Titel „Ruhm“ passen, dass sie teils sehr, teils nur ein bisschen bekannt sind, dass man sie sofort erkennt, oder eben nicht. Gleich das erste Bild, fotografiert von Arno Fischer, zeigt eine Frau in einem voluminösen weißen Pelz, die sich verbeugt; man sieht nur ihren Scheitel und die Hände. Könnte diese oder jene Diva sein, könnte aber auch Lieschen Müller sein, auf einem gestellten Foto.
Lösungen im Netz
Wer neugierig ist, kann die Lösung im Internet finden: „Marlene Dietrich verbeugt sich“, ist das Bild dort benannt. Wie noch bei einigen anderen Arbeiten spielt es allerdings hier kaum eine Rolle, ob man die Frau identifiziert: Deren Ruhm ist offensichtlich groß genug für einen Pelz, der für drei Mäntel reichen würde.
Andere der ausgestellten Fotografien erhalten ihr Gewicht nicht nur, aber auch davon, dass man um die Lebensgeschichten weiß, die sich in die überwiegend in Schwarz-Weiß und teils von sehr nah abgebildeten Gesichter gegraben haben. Bei Anton Corbijns Johnny Cash zum Beispiel, der fast grimmig aus einem Autofenster schaut, der linke Arm hängt lässig raus. Oder Will McBrides Konrad Adenauer, der 88 war, als der Fotograf die zerfurchte Stirn, die schweren Tränensäcke ins Licht hob, die Augen aber dunkel ließ, ohne Pupille und Reflektion.
Nur ein winziger Lichtpunkt funkelte in Michael Jacksons rechtem Auge, als Gottfried Helnwein ihn 1988 in Köln aufnahm, das linke ist ebenfalls völlig verschattet. Es mag auch das Wissen darum sein, wie dieses Leben ausging: Aber Jackson, der King of Pop, der Superberühmte, sieht müde und mehr als nur ein bisschen traurig aus. Allerdings gucken auch gänzlich Unberühmte oft unfroh.
Sympathisch, altmodisch, solide
Promis, die sich bis aufs Höschen und noch weiter entblößen sind heute so normal, dass diese Fotoauswahl aus der großen Sammlung der DZ Bank etwas sympathisch Altmodisches, Solides hat: Der Betrachter wird hier nie zum Voyeur, er kann in jedem einzelnen Fall sicher sein, dass die Porträtierten mitgespielt haben. Louis Armstrong liegt zwar in Jackett und Unterhose in einer Garderobe (1958 war das), aber der Magnum-Fotograf Dennis Stock zeigt einfach einen entspannten, breit lächelnden Mann. Auch der Schriftsteller Truman Capote präsentiert sich Mitte der 70er-Jahre als gemütlich Ruhender, als Andy Warhol ihn fotografiert. Die Filmschauspielerin Julie Delpy hat 2005 für Sascha Weidner die Augen geschlossen, scheint (auch dank des komplett schwarzen Hintergrunds) still konzentriert und lächelt fein wie Mona Lisa. Und bei Joseph Beuys, dem man in dieser Ausstellung mehrfach begegnet, fällt einem plötzlich auf, dass seine Nase genauso spitz war wie die, die sich Michael Jackson hinoperieren ließ.
Der größte Teil der Fotografen versuchte, das Persönlichkeitskonzentrat der Berühmten zu fassen und festzuhalten. Aber wenn Barbara Klemm zum Beispiel Willy Brandt und Leonid Breschnew umringt zeigt von lauter mittelalten Anzugträgern, die eilfertig ihren Kopf dazwischen stecken, ist das auch ein politisches Statement. Oder wenn Ulrike Rosenbach sich 1972 für ihr Bild „Art is a criminal action“ breitbeinig, mit Holster und gezückter Waffe neben den ikonographischen Elvis aus dem Film „Halbblut“ kopiert, in damals ungewohnter, herrlicher Gleichberechtigung. Gegenüber an der Wand hängt – von Barbara Klemm, – Angela Merkel, blutjung und entschlossen.
DZ Bank Frankfurt, ArtFoyer: bis 17. Dezember.




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